Nama (Khoikhoi/Hottentotten)
Die Nama gehören ethnisch zu den Khoisan sprechenden Völkern. Von ihnen leben ca. 100.000 Personen in Namibia, etwa 5% der Gesamtbevölkerung. Während der Eroberungs- und Kolonialzeit wurden sie von der weißen Minderheit abfällig als Hottentotten bezeichnet. Sie selber nennen sich Khoikhoi, was soviel wie “Männer aller Männer” bedeutet.
Schon vor Tausenden von Jahren lebten die Nama im Süden des heutigen Namibias zwischen dem Oranje und dem Swakop, aber auch im heutigen Südafrika – in einem besonders trockenen und dürren Gebiet. Ihre Wirtschaft bezog sich auf nomadisierende Viehzucht von Rindern, Schafen und Ziegen sowie Jagd- und Sammeltätigkeiten, da allein die Viehzucht für den Nahrungsbedarf nie ausreicht. Die Nama sind weder ausschließlich Sammler und Jäger, Viehnomaden oder Ackerbauern. Sie haben sich von jeder Wirtschaftsform Wissen angeeignet, um flexibel zu sein und zu überleben. Gerade dies macht sie allerdings zu Außenseitern und führte in der Vergangenheit zu zahlreichen Auseinandersetzungen mit anderen indigenen Gruppen des Landes.
Vor dem Eindringen der Europäer lebten Stämme der Nama zusammen im Süden. Während die Namaqua weiter in den Norden zogen, von den in Südafrika sich ausbreitenden Buren vertrieben, blieben die Orlam, welche aus weißen Buren und Nama Frauen hervorgingen, weiterhin in dieser Region wohnen. Dies änderte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sie ihren Namaqua-Verwandten zu Hilfe eilten, um sie im Kampf gegen die Herero zu unterstützen. Den Auseinandersetzungen mit den Herero und den Himba folgten Streitigkeiten und Kämpfe mit den Schutztruppen des Deutschen Reiches. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges waren die Nama, wie auch alle anderen Ethnien des Landes, in Reservaten untergebracht. Während der Zeit der südafrikanischen Mandatsherrschaft waren sie als Lohnarbeiter in den Städten zu finden.
Die traditionelle Gesellschaftsorganisation der Nama ist heute größtenteils zerbrochen. Es lassen sich noch ein Clansystem rekonstruieren – mit einer Unterteilung in Kleinnama- und Großnamastämme, einem Häuptlingstum, festen Grenzen des Stammesgebietes und zugesprochenen Rechten auf Wasserstellen. Das Heiratsgebot war exogam – es durfte ausschließlich aus dem Clan heraus geheiratet werden. Die familiäre Struktur war patrilinear – Ämter und Eigentum an Grund und Boden sowie anderen Besitztümern wurden von dem Vater auf den Sohn vererbt.
Über den ursprünglichen Glauben der Nama ist heute weitaus weniger bekannt als über ihre soziale Struktur. Zauberglaube und Ahnenverehrung, zwei in der Region sehr stark verbreitete religiöse Ansichten, werden den alten Nama zugeschrieben. Auch eine monotheistische Religionszuschreibung, in der der Gott Guab die zentrale Stellung als Regengott einnimmt, kann den Nama heute noch zugeschrieben werden. Heute sind fast alle Nama zum Christentum übergetreten und formieren sich in der AMEC, der African Methodist Episcopal Church.


persönlicher Tipp
Nicht nur die kulinarische Vielfalt oder die Tierbeobachtungen sind eine Reise nach Namibia wert. Nehmen Sie doch auch einmal Kontakt zu den verschiedensten Völkern des Landes auf. Lassen Sie sich z.B. bei den Himbas in die Tradition der Viehzucht und des heutigen nomadischen Lebens einführen oder gehen Sie mit den Männern der San in der Kalahari auf die Jagd und suchen Sie gemeinsam mit den Frauen nach Früchten und Wurzeln für das Abendessen. Tauchen Sie ein in eine vielleicht schon vergessene Welt.
Lars Müller
(Produktmanager Namibia)
